Die Karibik (in Kolochau) ist in Narrenhand

Faschingsverein macht auch in diesem Jahr mächtig Stimmung

KOLOCHAU Unter dem Motto "Palmen, Muscheln, weißer Sand – die Karibik ist in Narrenhand" hat der Kolochauer Faschingsverein nun schon fünf Veranstaltungen hinter sich gebracht. Zwei folgen noch am kommenden Wochenende.

"Willkommen in der Sonne" heißt es gleich zur Begrüßung – und genau das erwartet die Besucher auch: ein sonnig, kurzweiliges Programm über drei Stunden, das nichts vermissen lässt. Die Akteure vom Faschingsverein werfen all das in die Waagschale, mit dem sie auch in den vergangenen Jahren immer wieder gepunktet haben. Dazu gehören neben Tanz und Büttenreden vor allem die Musik und der Gesang, die den Saal Mal für Mal zum Kochen bringen. "Wieder mal ist es soweit, für ein paar Stunden Fröhlichkeit" versprechen die Gastgeber und legen forsch los. Kapitän Marcus Gräfe hat seine Besatzung im Griff und kann gemeinsam mit Alexandra Gräfe und Anne Berger zahlreiche tolle Gäste ankündigen. Als deutscher Patient steigt er auch noch selbst in die Bütt und überlässt diese danach Büttenredner Eckhard Gräfe als einem, der älter wird, Kai-Uwe Graf als Globetrottel, Axel Mutrack als Urlauber, Alexandra Gräfe als XXL-Model und dem Ehepaar auf Reisen Heike Graf und Simone Böhme.

Zum Schluss beim Lederhosen-Auftritt bebt der Saal. Da hält es keinen mehr auf seinem Platz.

Wie aus einem Engpass Leidenschaft werden kann

Allrounder Kai-Uwe Graf hat am Faschingfeiern Spaß gefunden und fühlt sich im Kolochauer Verein pudelwohl

KOLOCHAU Die Jecken haben in Elbe-Elster die Macht übernommen. Bei vielen Veranstaltungen geben sie ihrem Affen Zucker und begeistern Karnevalfans. Die RUNDSCHAU stellt die Jecken, ihre Vereine und die Programme vor. Mit Büttenredner Kai-Uwe Graf vom Kolochauer Karnevalverein beginnt das närrische Personaltableau.

Kai-Uwe Graf ist eingefleischter Fan der närrischen Zeit und ein tatkräftiger Allrounder im Kolochauer Faschingsverein. Mit seinen Auftritten setzt er Akzente im Programm: als Büttenredner, als singende Schrammel, als Darsteller im Film. "Ich bin ein schauspielernder Chorsänger mit Bütt-Erfahrung", beschreibt er sein Profil.

Der Saal ist für die Veranstaltungen hergerichtet. Am morgigen Donnerstag ist Generalprobe. Vorfreude macht sich breit. Dabei hätte es Kai-Uwe Graf vor einigen Jahren noch nicht für möglich gehalten, dass er einmal derart leidenschaftlich Fasching feiert und vor allem auch mitgestaltet."Das war nicht meins. Das wollte ich nicht", sagt er rückblickend. Allerdings reichten seine einschlägigen "Erfahrungen" damals lediglich bis zum Ansehen der Sitzungen in Mainz und Kölle im Fernsehen.

Als Ehefrau Heike 2003 sowohl sich als auch ihren Mann, beide waren knapp vier Jahre zuvor nach Kolochau gezogen und fühlten sich dort sofort heimisch, beim Faschingsverein des Dorfes anmeldete — na ja, da hing der Haussegen vorübergehend ein wenig schief. Heute kann Kai-Uwe Graf seine damalige Reaktion selbst nicht mehr verstehen, "denn das war definitiv eine der besten Entscheidungen, die wir getroffen haben", sagt er. Nach Kolochau zu ziehen und Teil einer tollen Gemeinschaft zu werden — meint er. Denn der 42-Jährige ist inzwischen nicht nur leidenschaftlicher Faschingsallrounder, sondern auch jährlicher Sprecher beim traditionellen Teichfahren und helfende Hand in der Interessengemeinschaft "Historisches Feld".

Aktuell dreht sich in seiner Familie alles um die närrische Zeit. Auch Ehefrau Heike und die beiden Töchter mischen im Verein kräftig mit. "Das sind drei Wochenenden, die es in sich haben", beschreibt Kai-Uwe Graf, was da gerade auf alle zukommt. Und kann es kaum noch erwarten, dass es losgeht. Auch deshalb, weil wie jedes Jahr jeder seinen Part für sich allein einstudiert hat und erst bei der Generalprobe am morgigen Donnerstag alle Programmteile erstmals zusammengeführt und öffentlich werden. "Darauf ist immer jedes einzelne Vereinsmitglied gespannt", weiß der Kolochauer.

Er selbst ist nun schon die 12. Saison dabei und hat seine 11. Büttenrede, die wie immer viele Begebenheiten "aus dem wahren Leben" beleuchtet, vorbereitet. "Sie ist fertig, aber ich habe die Feile noch in der Hand", ist zu erfahren. Auch das Kostüm dafür liegt längst bereit. Nach Feuerwehrmann, Revierpolizist und anderen Rollen "komme ich diesmal etwas feiner gekleidet als sonst", verrät er vorab.

Und auch das: 2004 hat Kai-Uwe Graf das erste Mal in der Kolochauer Bütt gestanden. Ein personeller Engpass ließ "Chef-Büttenredner" Lutz-Peter Müller ihn fragen, ob er einspringen könne. "Ich hab' es probiert und bin so vor mich hingestolpert. Ich war nicht der, der einfach mal frei reden konnte. Gedichte aufsagen war auch nicht mein Fall", blickt Graf zurück.

"Ich habe fünf Jahre gebraucht, um beim Publikum anzukommen. Zuerst versuchte ich immer, andere nachzumachen. Aber das war es nicht.

Als Rotzbengel in der Bütt, mit ganz eigenem Stil, fand ich dann endlich meinen eigenen Weg." Er ist dankbar über die viele Hilfe, die er dabei bekommen hat, "selbst auf der Bühne ist man nicht allein". Aber der Respekt vor dem Publikum ist bis heute trotzdem geblieben, "denn es sind so unwahrscheinlich viele Augen, die einen immer wieder aufs Neue erwartungsvoll anschauen".

Es ist ja auch nicht nur die Bütt, die den Kolochauer fordert. Er singt bei den Schrammeln mit. Er singt im Chor mit. Er spielt Sketche. Und er hat wieder eine Rolle im aktuellen Faschingsfilm. "Warum ich wohl ausgerechnet die in diesem Jahr abbekommen habe?", sinniert er noch immer. Eine Antwort darauf werden das Publikum und auch er erhalten, wenn der selbstgemachte Streifen am Freitag erstmals als Teil des Kolochauer Faschingsprogramms 2015/16 öffentlich über die Leinwand flimmert.

Unter den Kolochauer Faschingsleuten ist Kai-Uwe Graf übrigens nicht der einzige Allrounder. "Weil wir ein kleiner Verein sind, können wir auf niemanden verzichten, Jeder hat mehrere Aufgaben vor und hinter der Bühne", berichtet Vereinsvorsitzende Gabriele Berger, die sich über einen konstanten Mitgliederstand und einige Neuzugänge freuen kann.